Ortrschronik

Kurzchronik der Gemeinde Herpersdorf.

 

In einer Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs II. aus dem Jahre 1021 wird erstmals ein Ort Heribrehtesdorf urkundlich erwähnt.

Wie Herr Held in seiner Ortschronik schreibt, schenkte damals Kaiser Heinrich II. dem Bistum Bamberg den Königshof Herzogenaurach mit den Dörfern Eltersdorf, Großgründlach, Walkersbrunn und Herpersdorf. Ein gewisser Heribrecht oder Heribert dürfte als Namensgeber in Frage kommen, wahrscheinlich besaß er den größten Hof.

Die eigentliche Gründung des Ortes liegt im Dunkeln, man kann aber mit Sicherheit sagen, dass zur Zeit der Schenkung der Ort schon aus einem guten Dutzend Anwesen bestand. Das Dorf Herpersdorf gehört also zu einer der ältesten Siedlungen in der näheren Umgebung. Ich muss das deshalb besonders betonen, damit unsere Eckentaler Mitbürger besser verstehen, warum wir Herpersdorfer auch heute noch den Kopf so hoch tragen.

Die bischöfliche Herrschaft dauerte nicht lange. Bereits im Jahre 1051 wurde im Zuge einer innerpolitischen Neuorientierung von Kaiser Heinrich III. u.a. auch Herpersdorf dem Bischof von Bamberg wieder entzogen und dem Reichsgut Nürnberg angegliedert. Verwaltungsmäßig untersteht Herpersdorf jetzt dem neugeschaffenen Reichsamt Heroldsberg. Jahrhundertelang hatten sodann die Orte Heroldsberg und Herpersdorf die gleiche gemeinsame Geschichte.

1295 befand sich der damalige König Adolf in Geldnot. Kurzerhand verpfändete er Amt und Gericht in Heroldsberg mit dem Ort Herpersdorf für kurze Zeit an den Nürnberger Bürger Konrad Führer. Doch mit dem Schuldenmachen einmal angefangen, erfolgte bald eine neue Verpfändung durch König Adolf im Jahre 1299, diesmal an die Gräfin von Nassau. Dem König gelang es nicht seine Schulden zu zahlen, und somit war es aus mit dem Reichsgut Heroldsberg. 1348 erscheint Heroldsberg in den Urkunden als " Kaiserliche Freie Hofmark ", und dazu gehörte auch das Dorf Herpersdorf, also jetzt untertan den jeweiligen Herrschaften.

Kurze Zeit gehörte unser Dorf einer Familie Ödingsberger als sogenanntes Afterlehen und gelangte dann im Jahre 1361 in den Besitz der Burggrafen von Nürnberg. Aber schon 1374 wieder ein Besitzerwechsel, Burggraf Friedrich von Nürnberg übergibt die Hofmark Heroldsberg und alles, was dazugehört, dem Herzog Swantbor von Stettin und Pommern. Diese hatten aber keine rechte Freude an dem weit entfernten Besitz, sie verscherbelten 1391 heroldsberg mit dem dazugehörigem Herpersdorf an die Herren Heinrich und Konrad Geuder, reiche Nürnberger Bürger. Bis zum Jahre 1590 blieb Herpersdorf im Besitz dieser Familie. Es war eine verhältnismäßig gute Zeit.. Die Herren Geuder waren weise und vorsichtige Herren, auf das Wohl der Bürger bedacht, was damals eher die Ausnahme war.

In dieser Zeit fällt ein Ereignis von herausragender Bedeutung. 23 Hofbesitzer erwerben 1433 den Gemeindewald, nämlich die Waldstücke "die Sasse" und "das Gereuth". Wegen dieser Waldstücke wird 1451 eine Gemeindeverordnung erlassen.

Im kirchlichen Bereich gehörte Herpersdorf in ältester Zeit zur Missionspfarrei Neunkirchen am Sand. Doch schon um 1200 wird Kirchröttenbach von der Mutterpfarrei abgetrennt und selbständige Pfarrei. Mit kurzer Unterbrechung ist Herpersdorf bis zum heutigen Tag dort eingepfarrt. 1529 wird die gesamte Pfarrei Kirchröttenbach, also auch unser Ort, evangelisch. Die Grundherren Geuder und die Ganerben wollten es so. Genau 100 Jahre später kommt die große Kehrtwendung. Kurfürst Maximilian von Bayern befiehlt kurzerhand, alles zurück zum katholischen Glauben! Immerhin gab er den hartnäckigen unter den Lutheranern eine Galgenfrist von 40 Jahren.

Ab 1523 gab es wechselnde Herrschaftsverhältnisse. Die Ganerben auf dem Rothenberg, ein Zusammenschluss von 44 fränkischen Rittern, dehnen ihren Einfluss auf unser Gebiet aus und bringen es schließlich unter ihre Oberhoheit. Der beträchtliche Gemeindebesitz war eben eine große Verlockung.

Längere Zeit gehörte Herpersdorf einer Familie Pfinzing. Wie fast jedes andere Dorf in unserer Gegend war auch Herpersdorf schon sehr frühzeitig in zwei, ja zuweilen auch in drei verschiedene Gutsteile aufgeteilt. Eine Reihe von Anwesen gehörten den Herren von Eschenau, andere wieder Nürnberger Bürgern. Der kleinste Teil befand sich im Besitz der Tucherschen Grundherrschaft.

Die Jahre 1631 bis 1635 bringen dem Ort eine schreckliche Katastrophe: Der Dreißigjährige Krieg Wütet. Freund und Feind morden, plündern und brandschatzen. Herpersdorf sinkt in Schutt und Asche. Die meisten Familien sterben aus, die ganze Gegend verödet. Unvorstellbar ist die Not und das Elend. Aber die Herpersdorfer sind zäh und geben nicht auf. Bereits 1650 wird eine erneuerte Grundordnung erlassen.

1662 verkaufen die Ganerben - nicht ganz freiwillig - ihr ganzes Herrschaftsgebiet in Kurbayern. Seit dieser Zeit sind wir Herpersdorfer bayrisch.

Im Rahmen dieses Vortrages ist es unmöglich, auf alle politischen und kriegerischen Ereignisse einzugehen, die sich im 17. und 18. Jahrhundert ereigneten. Immer wieder hatte unsere Gegend unter Krieg, Brandschatzung, Plünderung und Hungersnot zu leiden. Fremde Kriegsvölker aus halb Europa drangsalierten die Bevölkerung. In der Ortschronik steht, das manchmal bis zu 1000 Pferde versorgt werden mussten. Etwas positives möchte ich nicht unerwähnt lassen. Während der Koalitionskriege zur Zeit Napoleons waren öfter französische Truppen hier einquartiert. Man höre und staune: Sie waren im allgemeinen gut diszipliniert.

1809 wird Herpersdorf Sitz einer sog. Ruralgemeinde, einer Steuergemeinde, zu der die Orte Bullach, Eckenhaid, Kirchröttenbach, Illhof, Ebach und Mausgesees gezogen werden. Ab dem 23. September 1810 gehört Herpersdorf zum Regierungsbezirk Mittelfranken. Nach dem Krieg 70/71 herrschte eine friedliche Zeit mit aufblühender Wirtschaft bis zum Ausbruch des I. Weltkrieges 1914.

Die nachfolgenden Jahrzehnte will ich nur kurz streifen. Viele unter uns kennen sie ja noch aus eigenem Erleben. 1918 der verlorene Krieg, die nachfolgenden Inflationsjahre, das Tausendjährige Reich, der II. Weltkrieg mit dem völligen Zusammenbruch des Staates und die schlimmen Nachkriegsjahre. Für viele Flüchtlinge wird Herpersdorf notgedrungen zur neuen Heimat.

Doch wie ehedem, die Herpersdorfer rackern und schuften wieder unverdrossen. Eine kluge Außen- und Wirtschaftspolitik der Bundesregierung schafft günstige Voraussetzungen. Technik und Fortschritt halten Einzug in unser Dorf und allenthalben ist ein steigender Wohlstand unverkennbar.

Das Jahr 1972 bringt ein Ereignis von einschneidender Bedeutung. Die Gemeinde Herpersdorf verliert ihre Selbständigkeit. Durch die Gebietsreform wird Herpersdorf ein Ortsteil der neugegründeten Marktgemeinde Eckental. Ich will es nicht verschweigen, manchem Herpersdorfer hat das Herz geblutet. Wer verliert schon gerne seine Eigenständigkeit? Insgesamt möchte ich sagen, war es eine gute Entscheidung, die unserem Ort viele Vorteile brachte. Ich hoffe, sie erfahren drüber heute von berufener Seite noch mehr. Gewisse Schwierigkeiten blieben nicht aus, vor allem im kirchlichen und schulischen Bereich. Hier hoffen wir aber weiterhin auf das Verständnis und das Entgegenkommen der Eckentaler Gemeindeleitung.

Bei dieser Gelegenheit darf ich auch daran erinnern: Herpersdorf ist nicht als "armes Hascherl" nach Eckental gekommen, sondern mit einer stattlichen Mitgift, nämlich dem Gemeindewald. Und in Abwandlung eines Bibelzitats kann ich voller Stolz ausrufen: "Du, Herpersdorf, bist keineswegs der geringste unter den Eckentaler Ortsteilen!"

Zu Recht steht in der Ortschronik: "Die Gemeinde Herpersdorf verdankt ihren reichen Waldbesitz einzig und allein der Aufgeschlossenheit ihrer Altvorderen. Ihre Bürger zeichneten sich seit jeher durch ein starkes Gemeinschaftsgefühl aus, aber es herrschte auch eine äußerst strenge, freiwillige Gemeinde-Disziplin. Unnachsichtig, ohne Ansehen der Person, wurde gegen jeden vorgegangen, der gegen die Gebote und Verbote der Gemeindeverordnung verstieß".

Die Herpersdorfer gelten schon immer als besonnene und friedliche Bürger. Genauso wenig wie sie sich 1525 am Bauernaufstand beteiligten, sowenig gehören sie heute zu den Aufmüpfigen in der Großgemeinde Eckental.

 

Herpersdorf, April 1996

Ernst Veit

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